Samstag, 7. Dezember 2013

Nordischer Wintergarten



Wie ein Nordischer Wintergarten musste Theodor Althaus die kleine Welt in Detmold vorgekommen sein, als seine Freundin Malwida von Meysenbug Ende September 1844 für einige Monate in die Provence gereist war. Ohne berufliche Perspektive nach dem Abschluss seines Studiums waren die Gespräche mit ihr mehr als nur Lichtblicke. Er hatte sich verliebt in die Frau, die seit seiner ersten Predigt in ihm einen jungen Apostel sah, dessen Botschaften sie im tiefsten Herzen trafen. Seine poetischen Abschiedsgrüße gab er ihr mit auf den Weg und schrieb weitere Gedichte, die er ihr widmete. 

Ein Paradies im Sturm


Wild um das Haus den Schneesturm trieb der Wind
Und riß herauf in den Kamin die Flammen –
Ein Abend, wie sie nur im Norden sind;
Im hohen Saal saß ich mit ihr zusammen.

Sie reichte mir des deutschen Dichters Buch,
Der mir so oft das kalte Licht beseelte;
War ich ergriffen von des Sturmes Zug,
Daß ich ein stürmisch Lied zum Lesen wählte?

Es sang von dunkler Noth und Erdenlast,
Wie ich so oft sie quälend, lastend fühlte:
Sang von der Seele Kampf – da war mir fast,
Als ob der Sturm da draußen um mich wühlte!

Und seine Sprache wurde mir vertraut,
Er trug das Lied und mich auf seinen Schwingen, -
Das wilde Lied, in dem ein jeder Laut
Aus Nacht und Sturm sich schien emporzuringen.

Und wie ich las des Sieges Flammenwort
Das endlich aufloht aus den Finsternissen:
Da war’s, als würde mir die Seele fort
Im Flammenwehn und Lodern mitgerissen.

Zu ihr aufsah ich. Ihre Wangen bleich,
ihr Auge feucht, von Geist und Liebe glühend –
Mein Liebesstern, mein selig Himmelreich,
Mein Paradies, in Sturm und Norden blühend!

Sonett


Spät war’s. Ich schaute in die Wolkenzüge,
Die wunderbar sich bildenden Gestalten,
Wie sie dort oben licht und dunkel wallten –
Mir, als ob ein Geisteshauch sie trüge.

Hinaus in’s Freie, schlürfe Vollgenüge
Der Lebensluft, o Brust! Und frei entfalten
Ließ ich die Töne sich, die in mir hallten.
Und Phantasie hob schwärmend ihre Flüge.

Aus meiner Brust, in alle Fernen rankten
Sich Wolkenträume auf wie wilde Reben,
Die windbewegt an deinem Fenster schwankten.

Laß einmal sie durch deine Träume schweben,
Wenn es zu kühn nicht ist, was sie verlangten:
Ein Lebewohl des Nordens Dir zu geben.


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