Dienstag, 5. November 2013

9. November 1848 - Robert Blum wird in Wien erschossen



Die schockierendste Nachricht des Jahres war in der zweiten Ausgabe der Bremer Zeitung vom Montag, dem 13. November 1848, zu lesen. Es war die Wiedergabe einer amtlichen Bekanntmachung aus Wien, die jeden Freund der demokratischen Bewegung in tiefster Seele traf:

Mittelst  st a n d r e c h t l i c h e n  U r t h e i l s  vom 8. d. M., ist  R o b e r t  B l u m, Buchhändler aus Leipzig, überwiesen durch sein eigenes Geständniß, wegen aufrüherischen Reden und bewaffneten Widerstande gegen die kaiserlichen Truppen in Folge der von S. Durchlaucht dem k. k. Herrn F. M. Fürsten zu Windischgrätz unterm 20. und 23. Oct. erlassenen Proclamationen  z u m  T o d e  v e r u r t h e i l t,  und das Urtheil am 9. November 1848 Morgens um halb acht Uhr in der Brigittenau mit  P u l v e r  u n d  B l e i  v o l l z o g e n   w o r d e n.

Das war weit tragischer, als Theodor Althaus es sich in seinen schlimmsten Visionen hätte vorstellen können. Ein erschütternder Schlag mitten in das Herz. Gab es denn nur noch Niederlagen? So sah die Konterrevolution aus. Es ging um Leben und Tod. Robert Blum! Was für ein Mann! Gelebte Überzeugung. Stark wie keiner. Wie konnte das passieren? Es fiel Theodor Althaus schwer, an diesem Novembertag seine Gedanken zu ordnen, doch den Nachruf war er seinem Freund schuldig. Sein bitterer Tod durfte nicht umsonst gewesen sein. Erst ein Jahr war vergangen, seitdem Blum beim Schillerfest in Leipzig gewirkt hatte, als Mann des Vertrauens, der das Volk aufhorchen ließ und der überzeugte. Dann die Märznacht, als noch das revolutionäre Ungestüm Triumphe feierte und er im kleinen Kreis die politischen Ziele seiner Gruppierung für das Vorparlament festlegte, voller Hoffnung und Zuversicht. Drei Monate später, im Juni, als Führer der Linken seine Rede zur Zentralgewalt, belächelt und verlacht und doch so wahr, vor allem der Schluss: Wollen Sie das Himmelsauge der Freiheit brechen sehen und die alte Macht heraufführen: s c h a f f e n  Sie ihre  D i c t a t u r.
War das nun Wirklichkeit geworden? War in der Zentralgewalt tatsächlich die alte Macht wieder hervorgekommen? Sogar zur Diktatur geworden, wenn sie es in Kauf nahm, dass ein vom deutschen Volke gewählter Vertreter für ein deutsches Parlament auf deutschem Boden ohne rechtliche Grundlage brutal hingerichtet wurde? Windischgrätz müsse sofort seines Kommandos enthoben, zur Verantwortung gezogen und bestraft werden, verlangte Althaus in seinem Leitartikel am 14. November 1848.
Wer aber sollte die Ermordung des deutschen Abgeordneten Robert Blum ahnden in einer Zeit, in der ein Ministerpräsident Felix Fürst zu Schwarzenberg in Österreich das reaktionäre Ruder in die Hand genommen und ein Hohenzollernkönig in Preußen alles vergessen hatte, was er seinen lieben Berlinern im März versprochen hatte? Was war zu tun, wenn in den beiden größten und einflussreichsten Ländern des zu schaffenden Deutschen Reiches die Konterrevolution ausgebrochen war? In Wien hatte sie gerade ihren blutigen Sieg errungen und in Berlin hatte das Militär am 11. November 1848 die Bürgerwehr entwaffnet und am Tag darauf General der Kavallerie von Wrangel den Belagerungszustand über die Stadt verhängt. Und wer konnte verhindern, dass am 5. Dezember 1848 Friedrich Wilhelm VI., König von Gottes Gnaden, die Auflösung der preußischen Nationalversammlung verordnete und am selben Tage eine Verfassung für den preußischen Staat oktroyierte? 

Angesichts dieser Rechtsbrüche und ignoranten Haltung den gemeinsamen Bestrebungen gegenüber sah Althaus die Fortschritte und vor allem die Verwirklichung der Paulskirchenarbeit an der Verfassung für den deutschen Bundesstaat gefährdet. Wer sollte die Reichsverfassung ins Leben einführen, wenn die Großmächte sich weigerten, sich als gehorsame Glieder in die neue Ordnung des Bundes zu fügen, den sie bisher beherrschten? Im Leitartikel am 13. Dezember 1848 beklagte er, der alte despotische Geist wollte die Revolution beenden, indem er sie vernichtete, doch die werde nur beendigt durch die Befriedigung ihrer Forderungen.






Kommentare:

  1. Danke für ihren Beitrag, diesen Einblick in die Geschichte ..... jetzt gerade in dieser Zeit.
    Ein Buch welches ich auch noch lesen möchte, darum Danke ..... es beschäftigt mich. Wer seine Geschichte nicht kennt, ist auch nicht bereit für die Zunkunft, in der Gegenwart.

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    1. Gerade erst entdeckt, Danke, Renate Lutz. Ich werde nicht müde, das immer wieder zu posten.

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