Mittwoch, 10. April 2013

1843 Erste Predigt in Detmold

Kanzel in der Stadtkirche am Markt in Detmold

An einem Apriltag des Jahres 1843 hielt der älteste Sohn des Generalsuperintendenten seine Examenspredigt auf der Kanzel der Hauptkirche in Detmold, ein paar Schritte entfernt vom Pfarrhaus unter der Wehme, in dem er bis zur Entscheidung der Coburger Bewerbung seine Studierstube im Elternhaus bewohnte.
Auch eine junge Frau war gerade aus einer anderen Stadt in die lippische Residenzstadt zurückgekommen. Auch sie wusste noch nicht, wie es mit ihrem Leben weitergehen würde. Malwida von Meysenbug saß beim ersten öffentlichen Auftritt  von Theodor Althaus in der Kirchenbank, als er vor der Detmolder Gemeinde predigte. Auf der Kanzel stand ein großer junger Mann in schwarzem Talar mit bleichem Gesicht, edlen Zügen und dichten schulterlangen Haaren. Sie erinnerte sich:
 „Als er zu sprechen begann, wurde ich sympathisch berührt durch den Klang seiner tiefen, sonoren und doch angenehmen Stimme. Bald aber vergaß  ich alles andere über den Inhalt seiner Predigt. Das war nicht mehr die sentimentale Moral, noch die steife kalte Unbestimmtheit der protestantischen Orthodoxie, wie beim Vater. das war ein jugendlicher Bergstrom, der daherbrauste voller Poesie und neuer belebender Gedanken. Das war die reine Flamme einer ganz idealen Seele, gepaart mit der Stärke einer mächtigen Intelligenz, die der schärfsten Kritik fähig war. Das war ein junger Herder, welcher, indem er, das Evangelium predigte, die höchsten philosophischen Ideen zur Geschichte der Menschheit entwickelte. Ich war auf das tiefste und glücklichste bewegt.“
Einige Tage später hielt der Kandidat der Theologie einen Vortrag in der Detmolder Ressource, dem wichtigsten gesellschaftlichen Treffpunkt der Stadt, deren Räume sich im Rathaus auf dem Marktplatz neben der Hauptkirche befanden. Malwidas Mutter hörte ihn dort und war zutiefst beeindruckt. Nachdem der Generalsuperintendent Frau von Meysenbug nach der Veranstaltung seinen ältesten Sohn persönlich vorgestellt und sie einige Worte mit ihm geredet hatte, war so angetan, dass sie ihn später im Familienkreise als „Ideal eines jungen Mannes“ bezeichnete.
Von der unglaublichen Wirkung, die der Kandidat Althaus bei Mutter und Tochter erzielt hatte, erfuhr der selbst zunächst nichts. Er wartete auf die Entscheidung in Coburg und war bereit, dort seine Arbeit zu tun. Doch die Sache zog sich hin. Nach einigen Monaten war noch immer kein Bescheid da. Großvater Dräseke, der sich gerade vom Magdeburger Bischofsamt in den Ruhestand nach Potsdam zurückgezogen hatte, erklärte sich die Verzögerung mit finanziellen Schwierigkeiten der Kirchenbehörde im Zusammenhang mit der Besoldung des Diakons. Mangelnde Fachkompetenz des Bewerbers konnte es nach Dräsekes Einschätzung wohl nicht sein, denn Theodors Examenspredigt, die dieser ihm geschickt hatte,  fand seine ungeteilte Zustimmung und erntete überschwängliches Lob. Sowohl die Auswahl und Aktualität des Inhaltes, Aufbau und Klarheit der Gedankenführung mit logischem Schluss, eine verständliche und anregende Ansprache seien nicht nur angemessen, sondern hervorragend. Der Großvater war sehr stolz auf seinen wunderbaren Enkel. Auch er machte sich Gedanken über Theodors Zukunft und schlug vor, er solle nicht mehr länger warten, sondern den Winter in Berlin verbringen und an der dortigen Universität sein Studium fortsetzen. 




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