Mittwoch, 8. Mai 2013

Rezension im Grabbe Jahrbuch


Die Detmolder Residenz hat es nicht leicht. Nicht nur, dass sie die Hauptstadt eines ehemaligen Fürstentums ist, wo eine eigene kulturelle Infrastruktur bis heute blühen darf, es ist gesegnet mit Dichtern, Denkern und Freiheitskämpfern, die alle hier zwischen 1801 und 1822 geboren wurden. Nirgendwo gibt es eine solche Dichte und Verpflichtung zugleich, dieses seltene Erbe zu bewahren und zu pflegen.
Die Grabbe-Gesellschaft hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die Erinnerung an de großen Dramatiker Christian Dietrich Grabbe, die gleichzeitige Plazierung Ferdinand Freiligraths und die kritische Beachtung Georg Weerths fast unmöglich sei. So kann es vorkommen, dass man vor lauter Themen und Arbeitsfeldern vergisst, dass da noch ein vierter Detmolder Protagonist unentdeckt schlummert: Theodor Althaus (1822 - 1852).
Es ist das Verdienst von Renate Hupfeld aus dem westfälischen Hamm, diesem außergewöhnlichen Mann nach einer 2010 erschienenen Anthologie mit Werken von Theodor Althaus, nun eine einfühlsame biographische Studie zu widmen, die im Eigenverlag "text-und-byte" im Jahr 2011 erschienen ist. So werden die Zugänge eröffnet, Wege gewiesen, Forschung ermöglicht für neue Leserkreise, die, im Einklang mit den Aufgaben der Gesellschaft, in diesem Falle aber wie ein glücklicher Umstand von außen herangetragen werden. 
In einer gelungenen Mischung aus Roman und Information ist Frau Hupfeld, auch dank guter Recherche von 25 Quellen, ein Spagat zwischen Publizität und Wissen gelungen, der Themen, Orte und Personen erfahrbar macht. Die berührende Lebensgeschichte des Detmolder Freiheitskämpfers, der 1848 in der Revolution und in der erwachenden Demokratie mitwirkte, kann gar nicht genug in ergreifenden Zusammenhängen dargestellt werden, zeigt sie doch, dass Bildung, Elternhaus und Umfeld entscheidend sind für ein verantwortungsvolles Leben in einer heute selbstverständlichen demokratischen Gesellschaft.
Renate Hupfeld schreibt mit Einfühlungsvermögen, sie erinnert so an die vielen Biographien, die im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem gleichen Impuls heraus recherchiert und verfasst worden sind, aus Interesse und Verantwortung für die Öffentlichkeit. Fußnoten, wie sie eine wissenschaftliche Arbeit auszeichnen, sucht der Leser vergeblich, ein Quellenverzeichnis ist dabei, so dass ersichtlich wird, wie fein und geradlinig das Material für diesen ca. 150 Seiten langen Roman zusammengetragen wurde.
Neben dem Dank für die geleistete Wiederentdeckung und der äußerst preiswerten und obendrein digitalen Verfügbarkeit des Inhalts kann aus dieser Arbeit Neues hervorgehen, was sich speziell mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen der 48er-Revolution beschäftigt. Es bleibt zu wünschen, dass nach der ersten Darstellung des Lebens von Theodor Althaus durch Friedrich Althaus aus dem Jahre 1888 nun viele Detmolder von "Mährchen aus der Gegenwart" (Leipzig 1848) profitieren.
(Hans Hermann Jansen)

Diese Rezension bezieht sich auf die Printausgabe:

Renate Hupfeld, Theodor Althaus 1822 - 1852 - Revolutionär in Deutschland
ISBN 978-3-942594-17-2, text-und-byte.de Hamm im November 2011

Erschienen ist sie im:

Grabbe-Jahrbuch 2011/12, 30./31. Jahrgang
Im Auftrag der Grabbe-Gesellschaft herausgegeben von Lothar Ehrlich 
und Detlev Kopp
Aisthesis Verlag, Bielefeld 2012
(Seite 301 - 302)

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