Donnerstag, 15. November 2012

1848 Schwere Tage in Bremen

Leseprobe aus: Renate Hupfeld, Theodor Althaus - Revolutionär in Deutschland


Umtriebe gegen die "Bremer Zeitung"

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Als Agitation und Boykott über die Zeitung hinaus sogar gegen die traditionelle Heyse’sche Verlagsbuchhandlung ausgedehnt wurden, entschied der Verleger, einen Schlussstrich zu ziehen und sich von der Zeitung zu trennen. Die Bremer Zeitung wurde an die Gebrüder Jänecke in Hannover verkauft, im Einvernehmen mit Theodor Althaus, der sie dort unter dem Namen „Zeitung für Norddeutschland“ weiter redigieren würde.
 „Schwere Tage“, notierte er. „Durch die unsittliche Finesse und die ganze Perfidie mich indirect als Rothen zu schildern, fühlte ich die letzten Fäden reißen.“
Dem bevorstehenden Ortswechsel konnte er durchaus positive Aspekte abgewinnen. Hannover war besser an das Eisenbahnnetz angebunden als Bremen und somit erreichten die neuesten Nachrichten die Redaktion schneller als bisher. Doch so richtig wollte der Blick nach vorne und das Entwickeln von Perspektiven noch nicht gelingen. Zu tief saß der verletzende Stachel. Die bittere Enttäuschung brachte sein inneres Gleichgewicht ins Wanken. Er bekam Husten und wurde krank.  „Konnte nicht schreiben, fühlte mich mit kurzen Unterbrechungen wie todt, wie vernichtet, sah mit Grauen dem Winter und mit Ekel dem Leben entgegen.“
Trost fand er in der Korrespondenz mit seiner Cousine Minna Schmitson in Frankfurt, die er auch seinerseits trösten musste, weil ihr Vater als Angestellter bei der Bundesmilitärkommission während des Straßenkampfes am 18. September eine Verwundung davongetragen hatte: „Aber es gilt auszuharren und treu zu bleiben. Ein Frühling kommt, in Menschenwelt und in Natur wird er uns wiederkehren!“
Einige Tage später war von der Hoffnung auf Frühlingserwachen nichts mehr zu spüren. Am liebsten hätte er losgeheult, als seine Schwester Elisabeth in seinem Zimmer vor ihm stand und ihn an sich drückte. Die treue Seele war zu seinem Geburtstag nach Bremen gekommen. Sechsundzwanzig Jahre alt wurde er und kam sich vor, als hätte er das ganze Leben schon hinter sich. Selbst die Freude über das Wiedersehen mit Elisabeth konnte seine Stimmung nicht verbessern. Ihr gegenüber gab er sich optimistisch, wusste er doch, sie würde alles der Mutter erzählen und die sollte sich keine Sorgen machen. Wie er sich wirklich fühlte, vertraute er nur seinem Tagebuch an: „Ich habe verloren, ich weiß nicht mehr zu sprechen wie sonst, seit ich so viel lese und schreibe. Ich kenne die Herzen nicht mehr so, seit ich mir selbst so wenig, so fast niemals angehöre.“
Der Umzug nach Hannover verzögerte sich, das politische Geschehen nahm unentwegt seinen Lauf. In der Frankfurter Paulskirche hatten die Abgeordneten der Nationalversammlung trotz zunehmender Fraktionsbildung noch immer ein gemeinsames Ziel, eine Reichsverfassung. Die Arbeit an den Grundrechten und einzelnen Passagen des Verfassungswerks ging voran. In Ausschüssen wurde diskutiert, bearbeitet und beschlossen. Darüber und über den Ablauf der Sitzungen in der Paulskirche informierte die Bremer Zeitung ihre Leser regelmäßig und ausführlich, ebenso über Entwicklungen und Geschehnisse in den einzelnen Ländern. 

Theodor Althaus - Revolutionär in Deutschland

erzählende Biografie von Renate Hupfeld

Taschenbuch bei  http://www.text-und-byte.de/






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